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Halbseidene Enthüllung: Der Sturm im Zahnputzglas
Finger halten Zahnseide
Einmal täglich sollte mit Zahnseide die Plaque aus den Zahnzwischenräumen entfernt werden.

Im Sommer warf ein US-Journalist die Frage auf, ob die Benutzung von Zahnseide nicht vollkommen sinnlos sein könnte. Das Medienecho war riesig, die Fachorganisationen bemühten sich um Schadensbegrenzung.

Vor gut vier Jahren veröffentlichte die Uni Witten/Herdecke eine niederschmetternde Studie: Nur etwa jeder zehnte Deutsche benutzt Zahnseide, von empfohlenen 180 Metern des dünnen Fadens bringt es der Durchschnittsbürger auf gerade einmal 1,5 Meter im Jahr.

Das schlechte Gewissen der Zahnpflegemuffel dürfte im Sommer kurzzeitig gewichen sein, als eine Meldung der Nachrichtenagentur AP (Associated Press) über fehlende Beweise für den Nutzen von Zahnseide die Runde machte. Ein renommierter Reporter der Agentur feierte seinen vermeintlichen Erfolg, eine scheinbar sinnlose Empfehlung der US-Behörden aufgedeckt und eliminiert zu haben.

Anfang August griffen fast alle wichtigen Medien den Bericht auf und die Zahnmediziner mussten sich der Frage stellen, ob die Benutzung von Zahnseide als Empfehlung an die Patienten gerechtfertigt ist. Doch was hatte der Journalist Jeff Donn genau herausgefunden? 

Auf einen Hinweis eines Kieferorthopäden hatte er sich die Studienlage zu den Effekten regelmäßigen Fädelns angeschaut - und wenig belastbare Ergebnisse gefunden. Eine Anfrage an die staatlichen Behörden blieb lange unbeantwortet. Doch dann veröffentlichte die US-Gesundheitsbehörde neue Ernährungsrichtlinien für die US-Bürger und empfahl darin nicht mehr wie in der alten Ausgabe die Nutzung von Zahnseide. Wenig später erhielt Donn einen Brief, in dem die unzureichende Datenlage über die positive Wirkung des Fädelns bestätigt wurde.

Was der Reporter als Triumph verbucht, ist jedoch keineswegs ein großes Umdenken in der US-Gesundheitspolitik. Die Ernährungsrichtlinien (Dietary Guidelines for Americans) werden alle fünf Jahre komplett überarbeitet und haben fast einen populärwissenschaftlichen Charakter. Das Thema Zahnpflege ist in der neuesten Fassung komplett gestrichen worden. Auch die Wirkung von Fluorid ist somit ausgeklammert worden.

Was bleibt, ist das Zugeständnis, dass die Wissenschaft bislang nach den strengen Kriterien der evidenzbasierten Medizin zu der Debatte um Zahnseide wenig beisteuern kann. Allerdings muss sich auch jeder fragen, ob er wegen einer unsicheren Datenlage bei Regen den Schirm lieber zu Hause lassen würde.

Die Fakten bei der Entstehung von Karies und Parodontitis liegen auf der Hand: Im Biofilm auf den Zähnen leben etliche schädliche Keime, die mit Säuren und Stoffwechselprodukten die Zahnhartsubstanz und das Zahnfleisch angreifen können. Eine regelmäßige Entfernung der Beläge trägt somit zu einem Schutz vor Zahnerkrankungen bei. Die Zahnbürste allein erreicht jedoch meist nur etwa 70 Prozent der Zahnoberflächen. Die Zahnzwischenräume werden leicht zur Brutstätte verschiedener Bakterienarten.

Ob allerdings Zahnseide durch andere Hilfsmittel ersetzt werden kann, muss noch intensiver untersucht werden. Interdentalbürstchen mögen vielen Verbrauchern als angenehme Alternative zur unhandlichen Seide bereits vertraut sein. Und auch Mundspüllösungen scheinen eine beachtliche Wirkung zu haben: Wie Prof. Stefan Zimmer, Leiter der Zahnerhaltung und Präventiven Zahnmedizin an der Uni Witten/Herdecke, schon vor zehn Jahren erforscht hat, können bestimmte Spülungen sogar mehr Plaque entfernen als Zahnseide.

Dem großen Wirbel, den der Bericht von Jeff Donn gemacht hatte, versuchten die Gesundheitsorganisationen entgegenzuwirken: Sowohl die ADA (American Dental Association) als auch die Bundeszahnärztekammer reagierten sofort mit einordnenden Stellungnahmen. Der Praxisalltag habe gezeigt, wie wichtig auch die Zahnzwischenraumpflege sei. Patienten sollten sich von ihren Zahnärzten die richtige Technik erklären lassen und nicht allein auf die Zahnbürste vertrauen.

Bis sich endlich die wissenschaftlichen Belege für den Nutzen von Zahnseide gefunden haben, könnten noch ein paar Jahre verstreichen. Schließlich müssten dazu Patienten für eine sehr lange Zeitspanne beobachtet werden. Doch Hoffnung naht: In der Dunedin-Studie in Neuseeland werden mehr als 1000 Menschen, die in den 1970er Jahren geboren sind, lebenslang begleitet und untersucht. Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis die Zweifler wohl verstummen müssen.

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